nein, nicht der bekannte Reifen, sondern Edge, der neue Hauptheld des aktuellsten Star Ocean-Ablegers, denn oft könnte man meinen hier handelt es sich um den nächsten Aufguss der "erfolgreichen" Simulationen, wie etwa dem Stapler-Simulator, oder dem Aufzug-Simulator, nur eben diesmal unter dem Motto des Laufens. Ob Marathon oder Sprint ist hierbei egal, denn Hauptsache man läuft. Wozu also beamen? Und so läuft er... und läuft.. und läuft...
Nun gut, dass Bewegung gesund ist sollte bekannt sein, aber was hat man sich hier nur dabei gedacht? Die Story gibt doch so viel her und die Serie überhaupt, wenn ich auch der Ansicht bin dass "Till the End of Time" nicht mit den ersten zwei Ablegern mithalten konnte, aber ich fürchte fast man will die Serie abbauen. Fangen wir mal ganz am Anfang an.
Die Geschichte beginnt langsam - sehr langsam und ruhig. Nach der Einführung in das sehr gelungene Kampfsystem und einige andere Dinge, auch nach den ersten Problemen mit dieser verhakten Kamera in engen Räumen, geht die Reise auf in den Sternenozean. Kurzes Drama zum Auftakt, der Plot der Geschichte scheint Formen anzunehmen und schon geht das Spiel los. Sind wir ehrlich, man muss nicht viel über die Geschichte erzählen, denn sie ist weder großartig neu und sie bedient sich fast schon zu vieler bekannter Elemente. Wer Teil 1 davor nochmal gespielt hat wird fast die Hälfte der Geschichte auswendig aufsagen können, denn es scheint zu oft so als hätte man hier ein Remake vor sich. Und so läuft die Gesichte weiter und weiter... bis sie wieder andere Wege einschlägt, die aber schon recht klischeebehaftet sind.
Läuft's denn dann wenigstens beim Gameplay? Ja, das läuft wirklich und zwar flüssig, fetzig und flashig. Diese drei F's sind wirklich die Stärke von "Last Hope", denn das alte Kampfsystem wurde ordentlich aufgemöbelt. Sinnig? Nun, das kann man im Raum stehen lassen, denn die benötigte Taktik für die Bossgegner ist durchaus fragwürdig und fast schon aufgezwungen, aber jeder der behauptet man hätte keinen Spaß darf der Lüge bezichtigt werden. Wie in den alten Teilen sind die Kämpfe - welche dank sichtbarer Gegner fast immer umgangen werden können - sehr "Buttonmashing"-lastig. Diese Methode funktioniert aber nicht mehr durchgängig, denn durch einfaches Drücken der Knöpfchen zieht die Spielfigur nur wenig Energie ab. Blindside ist hier das Schlüsselwort und beschreibt das geschickte Ausweichen eines Angriffs, bei dem die Spielfigur sich direkt hinter den Feind platziert und dessen Rückseite attackiert, bzw. den durch die resultierende Verwirrung preisgegebenen Schwachpunkt. Zusätzlich gibt es ein "Bonusboard", bei dem je nach Aktion ein buntes Symbölchen aufleuchtet. Je mehr dieser Symbole man hat desto mehr Erfahrung, Geld oder andere Dinge kann man am Ende eines jeden Kampfes einheimsen. Zwei simple Dinge die das dynamische Kampfsystem mit sehr viel Inhalt aufmöbeln, auch wenn das - wie gesagt - doch manchmal etwas aufgezwungen wirkt. Abgesehen von diesen zwei Dingen bekommt man schon fast die standardisierte Star Ocean-Kost geliefert. Allerdings gab es doch einige Einschnitte, wie etwa bei den NPC Befehlen, bei denen jetzt ein "konzentriere dich auf's Heilen" fehlt oder in das obligatorische Erstellen von Gegenständen, was jetzt nur noch an Bord des eigenen Raumschiffs möglich ist. Frei nach dem Titel der Rezension muss man hier also laufen und laufen und laufen... ehe man Nebenaufgaben und andere Dinge erledigen kann, weil das nur mit dem Raumschiff möglich ist.
An wirklich positiven Dingen war's dass da oben dann schon, denn der Rest kann kaum überzeugen. Gut Motoi Sakuraba hat wieder den Score gemacht, der typisch für ihn klingt (bei ihm klingt vieles recht gleich - und diesmal gibt's das kleine Boni für Valkyrie Profile Fans in musikalischer Ebene) aber natürlich auch wieder sehr gut, ja sogar die Grafik ist schön, doch hier geht es schon los... WAS zum TEUFEL hat man sich nur mit diesem Bloom-Effekt gedacht? Also sorry, dezent eingesetzt ist dieses Überblenden ja wirklich ein schönes Spielzeug, aber muss es permanent Konturen, Kontraste und feine Zeichnungen wegätzen? Gesichter sehen so gerne mal aus wie die grausligen "Pseudo-Montagen" vom Animexx-Klientel in dem die obligatorische Nase fehlt und offenbar ein Gesicht nur aus Augen besteht, Strände wirken komplett wie eine weiße Fläche und so geht es munter weiter. Nein, das geht nun wirklich nicht. Die schöne Welt wird so komplett vernichtet. Vielleicht sehe ich es von Berufswegen anders, aber hier läuft's und läuft's und läuft's in eine völlig falsche Richtung. BAH! Man kann nichtmal etwas daran ändern indem man an Helligkeit und Kontrast spielt, was zum Resultat hat dass viele Dinge nicht zu sehen sind, weil's entweder komplett weiß oder komplett schwarz ist. Mitteltöne sind Mangelware. PFUI!
Die Figuren? Wo hat man die bitte ausgegraben? Die Mehrheit sieht nicht nur lieblos aus, sondern sie ist es auch. Lassen wir mal Außen vor dass die Figuren zwar Mimik und Gestik haben, das aber wie in der Augsburger Puppenkiste, aber so oder so würde denen keiner ihre Schicksale abkaufen, noch nichtmal den nächsten Vorwerk-Sauger. Das typische Katzen-Girly, das typische Girly-Girl, der permanent deprimierte Held, der ach so grummelige Anti-Held, ein Kleinkind das jeden 1,2-ten Satz mit "'KAY" beendet und eine Engelsfunzel die das Geschlecht der Frau als reinsten Witz dastehen lässt. Unterstrichen wird das durch eine mittlere Synchro, die weder im japanischen, noch in der US-Version völlig überzeugen kann. Hallo? Ich soll ca 50 - 60 Stunden Hauptspiel mit diesen Nasen verbringen! Lediglich einige Gags können zum Schmunzeln anregen, aber will man das bei solchen Schaufenster-Mannequins? Und das sind auch noch die gut modellierten Hauptfiguren, denn bei den Nebenfiguren hat man das obligatorische Sparprogramm gefahren. Klar, es gibt einige die gut aussehen, aber die Mehrheit steckt noch immer in der digitalen Pubertät (grobkörnige Pixelgesichter) und zeigt Bewegungen auf die jedem epileptischen Anfall das Wasser reichen können. Was soll dieses Gezucke manch einer Figur? (sieht man vorallem bei einem etwas dickerem Herrn mit seinen drei Begleitern). Ich weiß ja dass das Animieren schwer ist, aber WARUM?
Und wenn du meinst es geht nicht mehr, kommt von irgendwo... noch ein Marathon her. Im Ernst, ich habe nichts gegen große Welten und Dungeons, aber worin liegt bitte der Sinn wenn ich dazu genötigt werde immer und immer wieder ca eine halbe Stunde von Punkt A nach Punkt B zu laufen, nur um dann nach Punkt C zu gehen um dann wieder von C nach D zu gelangen, damit ich alles komplett nach A hatschen (ja, hatschen) darf. Es ist ja nicht so tragisch wenn ich wenigstens auf der Oberwelt speichern dürfte, aber das darf ich nicht. Ich muss erst einen Speicherpunkt finden. Retro hin oder her - es gibt Dinge die nicht mehr angemessen sind. Berufstätige werden hier also sehr viel Freude haben, denn das ohnehin lange Laufen und damit verbundene zähe vorankommen wird noch durch fast schon alle fünf Minuten kommende Filmchen unterbrochen, die (Achtung) in der Regel IMMER zwischen 10 - 45 Minuten gehen! Der Protagonist läuft sich echt die Beine ab, aber wozu wenn man ohnehin nie das Gefühl hat wirklich voranzukommen? Entschuldigung aber ich bin nicht mehr in der Schule und bin um 13 - 14 Uhr daheim, sondern ich komme am Abend zwischen 19 - 20 Uhr heim und habe echt keine Lust mir in einer knappen Stunde immer und immer wieder den x-ten Todesfall einer Schaufensterpuppe zu geben oder zu Laufen ohne wirklich nur ein Level gespielt zu haben. Nichts gegen lange Geschichten, aber man kann sich auch aufhalten und den Bogen überspannen!
Mit dem Release auf der PS3 wurden dann noch als Boni diverse Zusätze auf den "Silberling" gepackt, aber sind wir mal ehrlich: Sie nutzen nichts. Klar, ich kann die Profilbilder umschalten damit diese wie die üblichen Anime-Figuren aussehen, aber was nutzt das, wo die Figuren im Spiel doch die CGI-Visagen bleiben? Japanische Sprachausgabe? Sorry, aber die Nervensägen klingen da ebenso nervig, einziger Unterschied: Man versteht das "KAY" dieser kleinen Windelfüllerin nicht. Ansonsten ist es zu anstrengend immer das japanische Gequitsche um sich zu haben, denn dauernd plärrt eine Figur weil mal wieder einer stirbt, ein Aufmerksamkeitsdefizit hat oder was weiß ich. Sorry, das hat man auch schon besser gesehen.
Bevor ich richtig fieß werde sollte ich die Reißleine ziehen. Versteht mich nicht falsch, Star Ocean ist irgendwie ganz nett, denn das Kampfsystem reißt viel raus, aber ein Highlight? NEEEEEE!!! Meine Empfehlung: Spielt lieber Teil 1 und 2 nochmal, lauert auf Valkyrie Profile 3 (soll zur E3 2010 vorgestellt werden) oder versucht euch am schweren, aber doch besseren Resonance of Fate, wenn ihr dem Studio die Stange halten wollt, auch wenn ihr dort vielleicht eine konfuse Geschichte und eine steile Lernkurve vorfinden werdet. Wenn nicht, schaut euch White Knight Chronicles an, das als Onlinespiel selbst im SIngleplayermodus und offline mehr Spaß bietet - nebenzu auch noch fast hübscher aussieht obwohl es nicht so stark HD ist - oder von mir aus den XIIIten Aufguss von FF der eher nur in manchen Punkten optisch glänzen mag. Wer berufstätig ist sollte ohnehin einen großen Bogen um den Titel machen, es sei denn er hat Lust sich die nächsten gefühlten 5 Jahre mit dem Titel zu beschäftigen. Sorry, aber eine überwiegend große Enttäuschung, trotz einiger Lichtblicke, die immer wieder ertränkt werden.
In diesem Sinne: Lasst sie laufen, denn wenn sie nicht gestorben sind, dann laufen sie noch heute.