Wenn ein Biowarespiel released wird, horchen generell schonmal alle RPG-Fans interessiert auf. Wenn es dann nach langer Abstinenz endlich mal wieder ein im High-End-Fantasy angesiedeltes Spiel ist, dann läuft schon langsam das Wasser im Mund zusammen und man stürmt sofort in den Laden. So erging es auch mir. Und nun sitze ich hier und versuche die Eindrücke, die das Spiel bei mir hinterlassen hat, zusammenzufassen.
Also ich unterteile Rollenspiele eigentlich immer in Japan-RPGS (linearer Storyverlauf, rundenbasierte Kämpfe, Zufallskämpfe) und westliche RPGs (non-linearer Handlungsverlauf, freie Charaktererstellung, freies Skillbuild und Echtzeitkämpfe).
Bei Dragonage handelt es sich definitiv um ein RPG zweiter Kategorie. Dies beginnt damit, dass man sich seinen Charakter sehr individuell aus verschiedenen Völkern (Zwergen, Menschen, Elfen) erstellt, dann ein paar Klassen auswählen kann und schließlich noch das Gesicht, Haar- und Bartfarbe anpasst.
Auch wenn die Charakterauswahl zu Beginn nur aus einer übersichtlichen Zahl von Klassen und Völkern besteht, habt ihr im Spiel nachher die Möglichkeit euch vielfältig weiterzuentwickeln. Zwar startet man zu Beginn z.B. als ganz stinknormaler Krieger. Aber ihr selbst entscheidet, ob ihr lieber ein Offensiver Zweihandaxtschwinger oder ein defensiver Tank mit Schild werden wollt etc. Das einzige, was ich etwas vermisst habe, war, dass ich nicht auch noch die Figur meines Charakters verändern konnte. Ich wollte mir einen schönen Zwergenkrieger nach dem Vorbild Gotrek Gurnissons aus dem Warhammeruniversum basteln. Also roter Sichelhaarschnitt und Muskeln wie ein Fass. Ging leider nicht. Auch ein dickbäuchiger Magier oder ähnliches ist dadruch leider nicht möglich. Schade.
Sehr interessant schon zu Beginn ist, dass man seine Herkunft wählen kann ähnlich wie in den DSA-Pen&Paperspielen. Dies hat dann direkten Einfluss darauf, wie man in das Spiel startet also welchen Prolog man spielt. Ein Beispiel: Wählt man einen Zwergenadligen, dann hat man sich im Prolog mit Intrigen unter den Adligen zu befassen. Wählt man einen Zwergenverstoßenen, dann muss man für seinen Verbrecherboss schmutzige Aufgaben erledigen.
Die Spielmechanik ist hierbei sehr interessant. An sich laufen die Kämpfe in Echtzeit ab. Ihr führt also z.b. einen Standartangriff aus und nach einer kurzen Cooldownphase steht euch die Aktion wieder zur Verfügung. Mich erinnert das ganze ein bisschen an WOW aber das mag auch nur mein persönlicher Eindruck sein und meine WOW-Zeit ist lange vorbei.
Dazu habt ihr eigentlich permanent von der KI gesteuerte Begleiter dabei. Diesen könnt ihr auch bestimmte Kampfbefehle aufgeben. Ich muss sagen, dass eure Party eigentlich immer ziemlich ordentlich mitarbeitet. Wenn ihr wollt, könnt ihr auch jederzeit den Char wechseln, den ihr dann im Kapf aktiv steuert.
Praktisch ist auch die Pausefunktion in der ihr den Schwierigkeitsgrad anpassen könnt, denn der ist mitunter sehr fordernd. Dafür sind aber die Rücksetzpunkte sehr angenehm und fair gesetzt und man muss nicht zuviel doppelt spielen, bis man wieder an dem Punkt ist, wo man vorher Game-Over gegangen ist.
Eine "Schwäche" bzw einen Kritikpunkt habe ich in Sachen Spielmechanik aber noch anzugeben. Ich persönlich bin zwr jemand, der bei Rollenspielen auch mal gerne abseits des Weges nach kleinen Events Ausschau hält aber ich habe schon gerne eine Funktion, die mir anzeigt, wo ich als nächstes hin muss, um meine Hauptquest weiterzuspielen. Dragonage bietet hier einen winzig kleinen Pfeil, den ich während des Prologs erstmal komplett übersehen habe. Aber auch dann im folgenden musste ich feststellen, das der Pfeil manchmal da ist und dann auch wieder nicht. Die Folge ist dann ewiges Rumgeirre, was in der heutigen Zeit einfach nicht mehr sein muss. Klar finden die richtigen RPG-Cracks am liebsten alles selbst raus. Aber für die Spieler, die einfach dem Hauptstorystrang folgen wollen ist es halt mitunter recht nervig.
Kommen wir zur Inszenierung.
Man fühlt sich als Mass-Effect-Spieler schnell heimisch. Die Art, wie die Dialoge geführt werden, erinnert einfach sehr stark an den Sci-Fi-Bruder aus dem gleichen Haus. Jedoch muss ich sagen, dass die Grafik im direkten Vergleich nicht ganz so gut ist. Hier also leichte Abstriche.
Ansonsten bewegt sich alles auf bekanntem Biowareniveau. Ihr kriegt tonenweise erstklassige Sprachausgabe serviert. Wirklich jeder Satz wurde hier (auf deutsch!) vertont und das in einer sehr guten Qualität. Mir ist vorallem die deutsche Synchronstimme von Kevin James alias King of Queens aufgefallen. Auch kriegt ihr viele Zwischensequenzen präsentiert, die dem Spiel einen epischen Rahmen verleihen und euch richtig eintauchen lassen.
Damit kommen wir dann postwendend zur Story.
Hier muss ich sagen, dass das ganze einen doch sehr stark an Herr der Ringe erinnert. Es wirkt teilweise so, als ob ganze inhaltliche Abschnitte (Hellms Klamm) übernommen wurden. Das ist bei Dragon Age durchaus nicht so dramatisch, da die Inszenierung sich auf so einem hohen Niveau befindet. Trotz allem vermisse ich hier ein bisschen die Eigenständigkeit.
Abschließend bleibt mir zu sagen, dass alle RPG-Fans gutes Futter spendiert bekommen. Die ein oder anderen kleinen Kritikpunkte sind zwar vorhanden aber durchaus verschmerzbar. Bioware hat hier wieder gute Arbeit geleistet und uns einen Titel geschenkt, der sicherlich sehr lange unterhält.
Gruß Triu