Der Name Roland Emmerich (die deutsche Antwort auf Michael Bay, wie ich finde) ist ein Synonym für Edel-SFX-Spektakel, und wer bereits seine älteren Filme kennt, weiß worauf er sich einlässt: Beeindruckende Bilder, schlichte Stories und Popcorn-Unterhaltung der einfacheren Sorte. Wer damit bisher zufrieden war, wird auch mit "2012" bestens bedient werden.
Meine Erwartung lag allerdings etwas höher. "Independance Day" war sein erster, richtig großer Welt- und Achtungserfolg, durch den er die Möglichkeit besaß, sich in seinem "Katastrophen-Metier" weiter auszutoben, aber auch in anderen Genren zu experimentieren ("Der Patriot", "Godzilla", "10.000 B.C."). Dann kam 2004 sein zweiter, großer Blockbuster "The Day after Tomorrow", bei dem wieder eine Bedrohung globalen Ausmaßes herrschte.
Genau diesen Film halte ich für die bisherige Krönung seines kreativen Schaffens. Er war zwar genau wie die Meisten von Emmerichs Filmen ein optisches Sahnestück, griff aber ein (sogar noch heute) sehr aktuelles Thema auf (den Klimawandel) und behandelte Dieses mit genug Ernsthaftigkeit. Auch mit der Wahl der Darsteller hat er sich kaum einen Fehler geleistet. Und auf unnötige Kalauer wurde verzichtet, die Rahmenhandlung nicht mit unnützen Nebensächlichkeiten verwässert. Nicht allzu moralinsauer, aber am Ende mit einer umwelt-politischen Botschaft. Hier zeigte unser deutscher "Spielberg" erste echte Ambitionen, ein Big-Budget-Movie mit Nachwirkung zu schaffen.
Die Hoffnung, dass auch "2012" ein ähnliches Niveau - wenn auch mehr auf dramatischer Ebene erreicht, erfüllte sich leider nicht. Anhand der Trailer hatte ich mit einem düsteren Weltuntergangs-Szenario gerechnet, wo der Überlebenskampf der Menscheit gezielt und ungeschönt im Focus steht. Doch Emmerichs jüngstes Werk schleppt einige "überflüssige Pfunde" mit sich rum, die den Film leider ins unvermeidliche Mittelmaß abstürzen lassen:
- eine zerbrochene Familie (geschiedenes Elternpaar, ein Vater mit schlechtem Draht zu seinen Kindern), die sich zum Filmende wieder zusammenrauft - hätte nicht sein müssen. Zu oft schon gesehen.
- Zu viele Einzelschicksale von größtenteils (für die Story) unwichtigen Nebencharakteren, woraus die Überlänge des Films resultiert
- Die schauspielerischen Fähigkeiten eines John Cusack, Oliver Platt oder einer Amanda Peet werden nicht ansatzweise genutzt; Woody Harrelson wird die undankbare Rolle des bemüht-witzigen Weltuntergangs-Propheten Charlie Frost zuteil
- Übertriebene Moralpredigten, US-Patriotismus so dick wie eine tektonische Platte und politisch überkorrekte Inhalte
- Klischee-überladene Figuren wie der russischen Milliardär Karpov nerven sowohl mit ihren Auftreten als auch mit ihrem überzeichneten Akzent
All diese Probleme sind auch an einigen Längen im Film nicht ganz unbeteiligt. Doch wenn man einigermaßen schmerzfrei ist, kann man "2012" doch noch weitgehend genießen:
Roland Emmerichs apokalyptische Leinwand-Achterbahn ist Bombast-Action pur, und dank seines etablierten SFX-Teams aus Deutschland gelingt bis auf einige Ausnahmen (u.a. die Limousinen-Szene) die perfekte Illusion. Was Schauwerte betrifft, hat der alte Schwabe immer noch ein gutes Händchen.
Zum Film-Ende war ich traurig und glücklich zugleich. Traurig, weil mir der Film insgesamt nicht das gab, was ich mir gewünscht habe. Widerum aber glücklich darüber, dass ich es nun hinter mich gebracht habe ;-)